Was ist das Projekt ‚pädagogisches Reiten – Balance‘?

Balance ist ein pädagogisch orientiertes Reiten, also eine ganzheitliche Förderung mit und auf dem Pferd, wobei die Förderschwerpunkte entsprechend der Ausbildung von Diplom-Pädagogin Andrea Gaspers, die das Reiten schon seit fast 35 Jahren durchführt, im sozial-emotionalen Bereich und in der Psychomotorik liegen.

 

Dabei werden die Ziele für jeden Reiter individuell nach seinen Bedürfnissen festgelegt. Das kann dann die Stärkung des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens durch Erfolgserlebnisse auf dem Pferd sein, die Verbesserung der Konzentration durch das Bewältigen des Parcours in der Halle und gleichzeitiges Anpassen an die Bewegungen des Pferdes, die Förderung von Gleichgewicht und Reaktionsvermögen durch „Turnen“ auf dem Pferd, der Abbau von Ängsten oder auch das Erlernen einer realistischen Selbsteinschätzung, die Erhöhung der Frustrationstoleranz und das Erkennen der eigenen Grenzen durch gemeinsame Bewältigung von Schwierigkeiten. Da das Reiten in Kleingruppen von bis zu 5 Reitern stattfindet werden auch gegenseitige Rücksichtnahme, Aufbau von Beziehungen, Akzeptieren von Hilfe und kooperatives Verhalten beim gemeinsamen Putzen der Pferde gefördert.

 

Es gibt „feste“ Gruppen, die sich alle 14 Tage treffen. Zuerst wird gemeinsam der „Parcours“ in der Halle aufgebaut, das sind Tonnen, um die dann Kreise und Slalom geritten wird (was Gleichgewicht, Konzentration und Auge-Hand-Koordination fördert) und Stangen zum darüber reiten (was z.B. im Trab schon ein bisschen Mut erfordert). Dann putzen alle gemeinsam die beiden Pferde und machen sie fürs Reiten fertig. Es wird mit Sidepull und Voltigiergurt geritten, so dass die Bewegungen des Pferdes besser zu spüren sind. Außerdem bewirken die gleichmäßigen Bewegungen zusammen mit der Körperwärme des Pferdes nicht nur psychische Entspannung, sondern auch eine Lockerung der Muskulatur, was bei einer Spastik wichtig ist.

 

Beim Reiten wechseln sich die Reiter ab, wobei jeder auf jedem der beiden Pferde reitet, denn die Beiden sind sehr unterschiedlich, nicht nur von den Bewegungen, sondern auch vom Charakter her.

Während Lilly, die 15jährige Tinkerstute eher gemütlich ist und man sie schon mal energisch auffordern muss vorwärtszugehen oder anzutraben (wobei dann geübt wird eigene Bedürfnisse durchzusetzen), ist Alischa, die 17jährige Haflingerstute auch mal ein wenig flotter unterwegs im Trab. Die Pferde sind natürlich speziell für diese Arbeit ausgewählt und selbst ausgebildet, denn sie müssen je nach Reiter auf kleine Signale hin vorwärts gehen oder unruhige Bewegungen ignorieren.

 

Dabei reiten einige Reiter alleine, wobei es aber nicht um Reiten im eigentlichen Sinn geht, sondern immer um pädagogische Förderung, während andere longiert oder geführt werden. Je nach Förderschwerpunkt turnen die Reiter auf dem Pferd, d.h. sie reiten rückwärts auf dem Pferd sitzend im Schritt, manche auch im Trab und Galopp, knien auf dem Pferd, machen „Fahne“ etc. Dabei werden natürlich auch wieder Gleichgewicht und Reaktionsvermögen gefördert, aber auch das Selbstbewusstsein.

 

Nach dem Reiten werden die Pferde in ihre Boxen zurückgebracht und sie bekommen ihre wohlverdienten Möhren zur Belohnung. Danach wird die Halle wieder gemeinsam aufgeräumt und je nach Möglichkeit dürfen die Reiter noch bei der Versorgung der Pferde helfen (z.B. kontrollieren ob die Tränken sauber sind, im Herbst die faulen Äpfel von der Koppel einsammeln etc.) Dabei lernen sie natürlich auch Verantwortung zu übernehmen und der Aufbau von Beziehungen und Kooperation wird gefördert.